Zur Löwenburg in Erfurt
Bauhistorische Untersuchung
Das älteste Bauteil des Grundstücks ist der zweigeschossige, annähernd quadratische Massivbau im rückwärtigen Bereich. Er besitzt eine auffallend großformatige Eckquaderung bis in halbe Höhe des EG, möglicherweise war er ursprünglich höher. Nach den bisherigen Befunden könnten beide Gewölbe zeitgleich mit dem aufgehenden Mauerwerk entstanden sein, die Fenster wurden vermutlich später eingebrochen. Auch die Sandsteinplatte mit dem Hauszeichen wurde nachträglich hier eingesetzt. Die Werksteine des EG sind im Gegensatz zu denen des KG stark überarbeitet worden. Die Gewölbe stammen wahrscheinlich aus dem 13. - 15. Jh.
Die Kellertonne im vorderen Grundstücksbereich ist ebenfalls älter als das darauf stehende Fachwerk, jedoch jünger als der o. g. zweigeschossige Massivbau.
Das Fachwerkgebäude wurde in heute noch erkennbarer Kubatur als Renaissancefachwerk mit einem größeren Hauptgebäude und einem zeitgleichen, niedrigeren N-OSeitenflügel in Stockwerkbauweise mit überwiegend gezapften Holzverbindungen errichtet. Nach dendrochronologischer Untersuchung stammen die bauzeitlichen Hölzer aus einer Winterfällung 1639/40. Beide Gebäudeteile besitzen noch ihre bauzeitlichen, traufständig zur Straße ausgerichteten Satteldächer.
D
Strassenansicht
as Hauptgebäude wurde mit 3 Voll- und 4 Dachgeschossen errichtet. Der Seitenflügel wurde mit 3 Vollgeschossen einschließlich Laubengang im 1. und 2. OG und einem Dachgeschoß errichtet. Die Vollgeschosse werden über Mittellängsunterzüge abgestützt.
Mit Errichtung des Fachwerkgebäudes entstand wahrscheinlich eine neue, gemeinsame Erschließung der beiden Keller, deren Abgang sich in der Halle des EG befand.
Die Schauseite des Gebäudes befindet sich auf der Südostseite (Allerheiligenstraße) mit einem Sichtfachwerk aus K-Streben und Thüringer Leiter einschließlich Brüstungsgurt. Die nicht zur Schauseite gehörenden Wände besitzen weite Gefache mit Langstreben. Die bauzeitliche Raumteilung zeigt im EG eine ungeteilte Halle und in den Obergeschossen eine große (!) Diele und zur Straße mehrere Räume. Die Raumstrukturen deuten klar auf eine Wohnnutzung, wahrscheinlich gekoppelt mit einer Form von Lagerhaltung.
Quelle : Bauhist. Gutachten Büro für Bauten- und Kunstgutforschung Schäbitz, Fuchs, Eberhardt, Schulze (1999)



