Die Preussensiedlung in Berlin
Ein vergessenes Juwel
Sie ist verlassen und verwahrlost und hat doch ihren Reiz nicht verloren – die Preussensiedlung® in Altglienicke. Kleine Häuser gruppieren sich um einen Hof, Torbögen erlauben den Durchgang, Obst- und Vorgärten schaffen Abstand zum Nachbarn.
Gebaut wurden die Häuser der Preussensiedlung® von 1911 bis 1913. Die Architekten Max Bel, Franz Clement und Hermann Muthesius wollten am Rande der Großstadt die Geborgenheit alter dörfl icher Strukturen schaffen.
Die meisten der 38 denkmalgeschützten Häuser sind, auch in Erwartung der anstehenden Restaurierungsarbeiten, nicht mehr bewohnt. Eine Ansammlung verschiedenartiger Eigenkonstruktionen der Bewohner wie Hühnerställe, Lauben und Ähnliches stören die gestalterische Ordnung. Der Putz bröckelt von den Fassaden, die Vorgärten verwildern, Brennnessel und Distel breiten sich aus. Trotz allem hat die Siedlung ihren Charme behalten.
Großen Wert legte Muthesius auf die Gestaltung der Nebengebäude. Anbauten wurden mit Satteldächern ausgestattet, deren Deckung und Dachkästen den Hauptdächern entsprach (Historische Aufnahme des II. Bauabschnittes, um 1920).
Der Architekt plant auch die Sanierung der Nebengebäude. Hausbewohner finden dort Platz für Fahrrad und Kinderwagen, Autoreifen und Werkbank.
Freuen Sie sich auf die Annehmlichkeiten, die Ihnen nur ein eigenes Haus bieten kann.
Die Gestaltung der Wohnhäuser des I. Bauabschnitts im »malerischen Landhausstil« folgte der damals üblichen Architektursprache. Ziergiebel, in Holz gefertigte Balkone, Türmchen und Erker und nicht zuletzt das als Freisitz konzipierte Türmchen des Verwalterhauses schmücken die Häuser und geben dem Gebäudeensemble sein unverwechselbares Gepräge.
Im Gegensatz dazu wollte Muthesius bei der Gestaltung des II. Bau - abschnitts geschlossene Wirkung allein durch »natürliche Gestaltungsmittel « erreichen, zu denen er die Gliederung der Wände durch Fenster und Türen zählte. Jede Art von Schmuck erschien ihm unpassend.
Dem Wunsch nach »Abwechslung« entsprach er durch eine bewegte Dachlandschaft. Sie verlieh jedem Haus seinen eigenen Ausdruck. Der helle Besenputz der Fassaden bildet mit den naturroten Dachfl ächen und dem Sichtmauerwerksockel einen belebenden Kontrast. Das schmale Gurtbandgesims bindet die Hausgruppen wie ein Band zusammen. Ruhe und Ausgewogenheit der Fassaden beeindruckt uns noch heute. Die gestalterische Leistung des Baumeisters und der sichtbare Aufbruch zur Abstraktion der Moderne verpfl ichten uns zu besonderem Respekt vor diesem einzigartigen Denkmal.



